Stadtrand.Heile Welt.

2.3.2012 BerZ; Wowereit: …..Dann ein schnippischer Satz mit Blick auf Zwangs-Umzüge: „Bei Randbezirken wird immer so getan, als wäre es Sibirien oder irgendein Lager.“

Nein- Herr Wowereit- die Randbezirke gleichen weder Sibirien noch irgendeinem Lager. Sie haben ihre Vorzüge. Da gibt’s nur ein klitzekleines Problem. Die breiten Schichten der Bevölkerung, die von Verdrängung aus der „Innenstadt“ ( wo endet die ? ) bedroht sind, mittlerweile auch Teile der Mittelschicht, werden dort nicht soviele Wohnungen finden, wie nötig wären. Und auch nicht genügend günstige. Man sollte also schon mal über Wohncontainer, Trailersiedlungen und Zeltstädte nachdenken, nein, nicht nachdenken- aufbauen !

Herr Wowereit scheint nicht ansatzweise verstanden zu haben- verstehen zu wollen – dass der Stadtrand keine homogene Fläche bebaut mit Mietshäusern und Großsiedlungen ist.

Er ist zu weiten Teilen: Speckgürtel, Einfamilienhäuser ohne Ende, gutbürgerliche Gegenden, Naherholungsgebiete, Naturschutzgebiete, Forst,- und Wasserflächen, Gärten,- und Erholungsgrundstücke. Er ist auch der Raum wohin Zentrumsmüde seit jeher flüchten, mieten und bauen. Er ist auch Raum wo Unternehmerfamilien „ins Grüne“  gebaut haben und der dann eingemeindet wurde. Und auch der Raum, wo Genossenschaftssiedlungen entstanden. Mit der Sanierung werden auch diese Altbauquartiere für Otto-Normal-Verdiener schwieriger bezahlbar. Weil sie den Vorzug: Grün, Ruhig, Kindgerecht haben. Und diese Eigenschaften werden vergoldet, auch von denen, die der Satzung gemäß eigentlich dem Gemeinwohl verpflichtet wären. Es ist auch der Raum, wo sich Firmen ansiedeln, deren Mitarbeiter Wohnraum in der Nähe suchen. Auch am Stadtrand sind Neubauten in alle verfügbaren Lücken gesetzt worden, auch im Osten, und Neubauten sind beliebt, und nicht günstig.

Auch am Stadtrand wohnt angestammte Bevölkerung, wohnt gerne dort und will nicht weg, es sei denn es handelt sich um Leute, die zwangsweise hinziehen mussten.

Was meinen also Politiker wenn sie vom Stadtrand reden ? Erstmal haben sie keine Ahnung, denn anscheinend meinen sie, der gesamte, weit verstreute Bestand am Stadtrand wäre günstig, was schlichtweg überhaupt nicht stimmt – und zweitens meinen sie die Großsiedlungen oder „kleinere“ Plattenbausiedlungen.

Ich schlage vor, daß Leute, die solche Sprüche machen, die Gebiete hinterm Ring mal Stück für Stück abfahren um sich ein reales Bild von den „vielen bezahlbaren freien Wohnungen, die Vermieter Wohnungssuchenden jeder Coleur anbieten“ zu machen. Denn wenn sie das nicht tun, werden sie ( sehr ) bald diesen Spruch hersagen: „Wir haben immer von einem entspannten Wohnungsmarkt am Stadtrand gesprochen, den gibt es aber nicht ( mehr ).“

Wenn in ganz Berlin nicht sofort ein Mietenstopp erfolgt und die Miethöhe in den Gesellschaften nicht in weiten Bestandsteilen für Neumieter und auch für in Zahlungsnot geratene Altmieter wieder gesenkt wird- gemessen an den Berliner Einkommensverhältnissen inkl. denen Arbeitsloser und präker Beschäftigter und wenig verdienenden Selbstständigen, und Rentner mit Aufstockung und und und, dann wird schlichtweg eine Welle der Wohnungsnot über die Stadt hereinbrechen. Man sieht schon den Kamm. Ein Anzeichen ist die soziale Spannung, der Anstieg an Gewalttaten.

 

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