“ Unsere“ Yuppies

Veröffentlicht: März 26, 2012 in Home, Publikationen

Verdi streikt. Streik ist gesetzlich legitim. Das war nicht immer so. Streikende wurden stigmatisiert, kriminalisiert, verfolgt und erschossen. Erst wenn die Anzahl der Streikenden, trotz Gefahr des Entzugs ihrer Lebensgrundlage und ihrer Gesundheit, für Machthaber und Besitzer bedenklich anschwoll, waren diese zu Verhandlungen bereit. Zu Kriminellen und Chaoten werden neuerdings Mietervereine und Initiativen abgestempelt, die sich dem Gentrifizierungswahn, der Aufwertung und damit Mieterhöhungen in Vierteln entgegenstemmen, in denen die meisten BewohnerInnen nebst Kindern ( ! ) einkommensschwach sind. Was Obrige und Abenteurer jetzt als „Szene“ ausmachen, waren bis vor kurzem noch bezahlbare Wohn,-und Gewerbeviertel. Die Läden dort sind oft die einzige verfügbare Einnahmequelle für Leute, die der Arbeitsmarkt nicht will und nicht braucht.

Es ist völlig inhuman, davon auszugehen, dass diese ja irgendwo anders hinziehen könnten.Nicht nur, dass diese Leute mitunter seit Generationen dort leben, sie haben auch garnicht die Mittel einfach umzuziehen und werden obendrein auf dem Wohnungsmarkt in ganz Berlin diskriminiert. Man will diesen Menschen verwehren weiter in einer Gegend zu wohnen, die sie selbst nicht zur Szene illustruiert haben, noch haben sie diese Szene initiiert oder gewollt.

Die populistische Presse nimmt wie gehabt kein Blatt vor den Mund und lügt schamlos, wenn es gilt, das Interesse der Vermehrung des Privateigentums zu „schützen“. Die Erhöhung der materiellen Potenz ist ein rein patriarchales Interesse, unsozial, unkollegial, gleichgültig, einzig dem persönlichem Interesse verfallen.

Konzerne geben sich mittlerweile einen kreativen und sozialen, und bisweilen sogar transparenten Anstrich, um das Interesse von Konsumenten zu wecken. Dabei nehmen sie die Welle einer Popularität und Modeerscheinung auf, die ihre Marketingexperten ausmachen. Selbst ein kleiner Einzelhändler wird nicht nur versuchen vermehrte Anfragen zu befriedigen, er würde auch versuchen sie anzuheizen. Konzerne tun das im ganz großen Stil. Ein Guggenheim-BMW-Konsortium tut sich nur deshalb zusammen um Popularität zu steigern: Bekanntheitsgrad, Verkauf, Profit. Und sie tun es an den Orten, wo zu erwarten ist, daß Menschen sich vom Schein blenden lassen, wo Gentrifizierer noch ein paar tausend Euro locker haben könnten.

BerlinerInnen sind aber nicht so wenig klarsichtig, als dass sie sich freiwillig ein trojanisches Pferd in den Kiez ziehen. Sie sehen unmittelbar vor der Haustür welche zerstörerische Kraft der Zuzug von wohlhabenden Menschen hat, die einen Hype anstoßen und folgen, dem Makler, Investoren und Marketingstrategen neugierig auflauern. Mit jeder teureren Neuvermietung steigen auch die Mieten der Nachbarn, steigen die Gewerbemieten. Wo ein paar Hundert Hippster, Fancy s und Yuppies aufkreuzen, die für ein BMW-Guggenheim interessant sind, dort leben Familien, die um ihre Existenz kämpfen. Diese Leute werden dort bleiben ( müssen ) und die sozialen Spannungen nehmen in der Art zu wie der Verdrängungsdruck zunimmt.

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