Archiv für März, 2012

Jeder vierte Mieter fürchtet Verdrängung

Veröffentlicht: März 31, 2012 in Home, Publikationen

Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt große Verunsicherung besonders bei Berliner Türken. Zwar hat laut Studie die Hälfte der Mieter ein gutes Verhältnis zu ihrem Vermieter. Aber jeder fünfte fühlt sich ihm gegenüber machtlos.

Für die Studie wurden im vergangenen Herbst 700 deutschsprachige Berliner und 200 Familien mit türkischen Wurzeln befragt. Der Schwerpunkt lag diesmal auf den Themen Wohnen und Mieten. Immerhin wohnen drei Viertel der Berliner zur Miete. Laut dem Bericht haben sich bei jedem fünften Mieter die Mietkosten in den vergangenen zwei Jahren merklich erhöht – für die Mehrheit aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Bei den Berliner Türken mussten sogar drei Viertel eine Erhöhung der Miet- oder Nebenkosten hinnehmen. Gründe dafür wurden nicht nachgefragt.

 

“ Unsere“ Yuppies

Veröffentlicht: März 26, 2012 in Home, Publikationen

Verdi streikt. Streik ist gesetzlich legitim. Das war nicht immer so. Streikende wurden stigmatisiert, kriminalisiert, verfolgt und erschossen. Erst wenn die Anzahl der Streikenden, trotz Gefahr des Entzugs ihrer Lebensgrundlage und ihrer Gesundheit, für Machthaber und Besitzer bedenklich anschwoll, waren diese zu Verhandlungen bereit. Zu Kriminellen und Chaoten werden neuerdings Mietervereine und Initiativen abgestempelt, die sich dem Gentrifizierungswahn, der Aufwertung und damit Mieterhöhungen in Vierteln entgegenstemmen, in denen die meisten BewohnerInnen nebst Kindern ( ! ) einkommensschwach sind. Was Obrige und Abenteurer jetzt als „Szene“ ausmachen, waren bis vor kurzem noch bezahlbare Wohn,-und Gewerbeviertel. Die Läden dort sind oft die einzige verfügbare Einnahmequelle für Leute, die der Arbeitsmarkt nicht will und nicht braucht.

Es ist völlig inhuman, davon auszugehen, dass diese ja irgendwo anders hinziehen könnten.Nicht nur, dass diese Leute mitunter seit Generationen dort leben, sie haben auch garnicht die Mittel einfach umzuziehen und werden obendrein auf dem Wohnungsmarkt in ganz Berlin diskriminiert. Man will diesen Menschen verwehren weiter in einer Gegend zu wohnen, die sie selbst nicht zur Szene illustruiert haben, noch haben sie diese Szene initiiert oder gewollt.

Die populistische Presse nimmt wie gehabt kein Blatt vor den Mund und lügt schamlos, wenn es gilt, das Interesse der Vermehrung des Privateigentums zu „schützen“. Die Erhöhung der materiellen Potenz ist ein rein patriarchales Interesse, unsozial, unkollegial, gleichgültig, einzig dem persönlichem Interesse verfallen.

Konzerne geben sich mittlerweile einen kreativen und sozialen, und bisweilen sogar transparenten Anstrich, um das Interesse von Konsumenten zu wecken. Dabei nehmen sie die Welle einer Popularität und Modeerscheinung auf, die ihre Marketingexperten ausmachen. Selbst ein kleiner Einzelhändler wird nicht nur versuchen vermehrte Anfragen zu befriedigen, er würde auch versuchen sie anzuheizen. Konzerne tun das im ganz großen Stil. Ein Guggenheim-BMW-Konsortium tut sich nur deshalb zusammen um Popularität zu steigern: Bekanntheitsgrad, Verkauf, Profit. Und sie tun es an den Orten, wo zu erwarten ist, daß Menschen sich vom Schein blenden lassen, wo Gentrifizierer noch ein paar tausend Euro locker haben könnten.

BerlinerInnen sind aber nicht so wenig klarsichtig, als dass sie sich freiwillig ein trojanisches Pferd in den Kiez ziehen. Sie sehen unmittelbar vor der Haustür welche zerstörerische Kraft der Zuzug von wohlhabenden Menschen hat, die einen Hype anstoßen und folgen, dem Makler, Investoren und Marketingstrategen neugierig auflauern. Mit jeder teureren Neuvermietung steigen auch die Mieten der Nachbarn, steigen die Gewerbemieten. Wo ein paar Hundert Hippster, Fancy s und Yuppies aufkreuzen, die für ein BMW-Guggenheim interessant sind, dort leben Familien, die um ihre Existenz kämpfen. Diese Leute werden dort bleiben ( müssen ) und die sozialen Spannungen nehmen in der Art zu wie der Verdrängungsdruck zunimmt.

Die Berliner Kritiker halten die Rede von „Drohungen“ allerdings für einen Vorwand. „Das ist eine Ausflucht, mit der sich BMW aus dem Projekt herauszieht, weil sie Angst von einer Imageschädigung haben“, erklärt David Kaufmann von der Initiative „BMW-Guggenheim Lab verhindern!“ „Hier im Wrangelkiez sind die Leute einfach wütend, weil sie von Gentrifizierung bedroht sind und ein weiteres Aufwertungsprojekt nicht wollen.“

„Guggenheim Lab“ abgesagt

Was heißt „gerinfügig“ ?

In der Diskussion um zu teure Wohnungen für Hartz-IV-Empfänger sollen die Jobcenter vorläufig den Druck zurücknehmen und keine Mahnbriefe mehr verschicken. „Wenn es nur um geringfügige Überschreitungen der Mietobergrenzen geht, sollten die Behören die neue Rechtsverordnung des Senats abwarten“, sagte die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ülker Radziwill. Der Senat will bis um Sommer eine Neuregelung der Richtwerte vorlegen.

Den Senat forderte die Sozialpolitikerin auf, bei der Berechnung der neuen Obergrenzen in bestimmten Stadtquartieren nicht nur die einfachen Wohnlagen als Referenz zu nehmen, sondern auch mittlere Wohnlagen mit einbeziehen. Das würde eine Anhebung der Mietobergrenzen in Kiezen bedeuten, wo der Mietendruck deutlich gestiegen ist und ein Ausweichen auf einfache Wohnungen kaum möglich ist.

Artikel in Presse

Land zahlte 18 Millionen Euro für „be Berlin“

Der Senat will die Imagekampagne „be Berlin“ fortsetzen. Drei Millionen Euro pro Jahr sind in dieser Legislaturperiode dafür vorgesehen.
Die Kampagne werde nun hauptsächlich genutzt, um Berlin national und international weiter aufzuwerten, sagte Meng. In der Stadt selbst werde „be Berlin“ nun weniger sichtbar sein.

Die Zahl der Wohnungslosen steigt wieder

Veröffentlicht: März 5, 2012 in Home

Hohe Mieten, Verarmung und sozialpolitische Fehlentscheidungen haben dazu geführt, dass die Zahl der Wohnungslosen wieder steigt. Angesichts der wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Lage rechnen Experten mit einer weiteren Zunahme von Menschen, die ihre Wohnung verlieren werden.

Die größte Gruppe der Wohnungslosen stellen mit 64% Männer. Der Frauenanteil beträgt 26% und 10% sind minderjährig.

Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen sei jede/r sechste Bundesbürger/in armutsgefährdet. Insbesondere Erwerbslose und alleinerziehende Haushalte gehörten dazu.

„Die Verarmung der unteren Einkommensgruppen steht in engem Zusammenhang mit der Dauerkrise am Arbeitsmarkt, die nicht zu einem Absenken der Zahl der Langzeitarbeitslosen geführt hat. Zugleich ist der Niedriglohnsektor aufgrund eines fehlenden Mindestlohns extrem angewachsen“, beklagt die BAG W. Zu den sozialpolitischen Fehlentscheidungen bei Hartz IV gehörten die Sanktionen bei der Übernahme der Wohnkosten bei jungen Erwachsenen, die unzureichende Anhebung des Regelsatzes beim Arbeitslosengeld II, die Pauschalierung der Kosten für Unterkunft und Heizung und der Abbau der Arbeitsförderungsmaßnahmen. Negative Auswirkungen hätten darüber hinaus der rückläufige Bestand günstiger Wohnungen und das Ausbleiben einer aktiven Wohnungspolitik.

Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen sei jede/r sechste Bundesbürger/in armutsgefährdet. Insbesondere Erwerbslose und alleinerziehende Haushalte gehörten dazu.

Mieterecho, Januar 2012